Die mittelständische Bauwirtschaft steht vor vielfältigen Herausforderungen. Eine hohe Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und ihrer Führungs- und Fachkräfte an externe Rahmenbedingungen und Markteinflüsse ist von entscheidender Bedeutung für den Unternehmenserfolg. Digitale Technologien und KI-Anwendungen versprechen gegenwärtig große Potenziale. Der Durchdringungsgrad digitaler Technologien und Kompetenzen ist in den meisten Unternehmen noch ausbaufähig. Gleichzeitig sind die analogen Anforderungen an die Führung von Unternehmen und Mitarbeitern durch die digitale Transformation nicht geringer geworden. Vielleicht sogar noch bedeutender. Gerade junge Führungskräfte, die in unternehmerische Verantwortung hineinwachsen, stehen vor der Herausforderung moderne Entwicklungen und tradierte Werte miteinander in Einklang zu bringen.
Fahim Ahmad (Niederlassungsleiter bei Spieth Ingenieure; Ludwigshafen am Rhein) und Aaron Weber (Niederlassungsleiter bei ALHO Systembau GmbH; Heidelberg) haben den MBA Unternehmensführung Bau der Akademie der Hochschule Biberach absolviert.
Im folgenden Interview sprechen sie über Herausforderungen für angehende Führungskräfte, notwendige Kompetenzen im digitalen Zeitalter und die Erfahrungen aus ihrem weiterbildenden Studium.
Ahmad: Aus meiner eigenen Erfahrung ist es wichtig, zunächst das Geschäft in der Praxis kennenzulernen. Ich habe mehrere Jahre in der Bauleitung und Projektleitung gearbeitet, bevor ich Führungsverantwortung übernommen habe. Diese Erfahrungen helfen mir bis heute, Entscheidungen einzuordnen und die Herausforderungen meiner Mitarbeiter besser zu verstehen.
Jungen Führungskräften würde ich raten, neugierig zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht ausschließlich auf ihre fachliche Expertise zu verlassen. Gerade im Mittelstand sind Vertrauen, Verlässlichkeit und der persönliche Umgang miteinander oft genauso wichtig wie fachliches Können. Wer zuhört, ansprechbar ist und zugesagte Dinge einhält, gewinnt schnell Akzeptanz im Team.
Weber: Mein wichtigster Rat ist: Zuhören, Verstehen und Verantwortung übernehmen. Gerade im Mittelstand entstehen Vertrauen und Akzeptanz nicht durch eine Position, sondern durch Verlässlichkeit und nachvollziehbare Entscheidungen.
Wer zudem die wirtschaftlichen Zusammenhänge des Unternehmens versteht und über den eigenen Fachbereich hinausblickt, schafft die Grundlage für langfristigen Führungserfolg.
Fahim Ahmad (Niederlassungsleiter bei Spieth Ingenieure; Ludwigshafen am Rhein)
Ahmad: Fachwissen bleibt wichtig, aber aus meiner Sicht reicht es heute nicht mehr aus. Technische Experten übernehmen immer häufiger Führungsaufgaben, ohne darauf gezielt vorbereitet worden zu sein.
Deshalb halte ich insbesondere betriebswirtschaftliche Kompetenzen, strategisches Denken, Mitarbeiterführung und Kommunikation für entscheidend. Hinzu kommen Kenntnisse im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Führungskräfte müssen verstehen, welche Chancen digitale Werkzeuge bieten und wie sie diese sinnvoll in ihre Unternehmen integrieren können.
Berufsbegleitende Weiterbildungen bieten dabei den großen Vorteil, dass man die vermittelten Inhalte direkt mit den Herausforderungen aus dem Berufsalltag verknüpfen kann.
Weber: Heute sind vor allem unternehmerisches Denken, Führungskompetenz sowie der Umgang mit Digitalisierung und KI entscheidend. Gleichzeitig werden Kommunikation und die Fähigkeit, Menschen für gemeinsame Ziele zu gewinnen, immer wichtiger.
Berufsbegleitende Studiengänge sind dafür besonders wertvoll, weil sie wissenschaftliche Methoden direkt mit den Herausforderungen aus der Praxis verbinden. Fachlich und persönlich hat mich der MBA in Biberach für meinen Berufsalltag als Führungskraft weitergebracht.
Aaron Weber (Niederlassungsleiter bei ALHO Systembau GmbH; Heidelberg)
Ahmad: Für mich kam der MBA zu einem Zeitpunkt, an dem ich bereits einige Jahre Berufserfahrung gesammelt hatte und schon Führungsverantwortung übernommen hatte. Mein Ziel war es damals, mich weiterzuentwickeln und insbesondere die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge besser zu verstehen.
Besonders wertvoll war daher die Möglichkeit, die Perspektive über das eigentliche Bauprojekt hinaus zu erweitern. Themen wie Unternehmenssteuerung, Strategie, Finanzierung oder Organisationsentwicklung spielen in Führungspositionen eine immer größere Rolle, werden im klassischen Ingenieurstudium jedoch nur am Rande behandelt.
Ebenso bereichernd war der Austausch mit Kommilitonen aus unterschiedlichen Unternehmen und Fachrichtungen. Die Diskussionen über konkrete Herausforderungen und Lösungsansätze aus der Praxis haben viele neue Blickwinkel eröffnet. Das Netzwerk aus dieser Zeit besteht teilweise bis heute.
Weber: Besonders wertvoll war für mich die Verbindung von Theorie, Praxis und persönlichem Austausch. Fachlich habe ich viele neue Perspektiven gewonnen, auch aus anderen Unternehmen. Langfristig profitiere ich vor allem auch von dem entstandenen Netzwerk.
Der Austausch mit den Absolventinnen und Absolventen im Akademischen Baunetzwerk e.V. (Anmerkung: Alumniverein des MBA Studiengangs) zeigt bis heute, wie wertvoll belastbare Kontakte und unterschiedliche Sichtweisen für die eigene Entwicklung sind.
Ahmad: Die größten Veränderungen sehe ich in administrativen und wissensbasierten Prozessen. Viele Aufgaben, die heute noch manuell durchgeführt werden, können künftig deutlich effizienter unterstützt werden. Dazu gehören beispielsweise Dokumentenmanagement, Ausschreibungen, Auswertungen, Recherchen oder die Aufbereitung großer Datenmengen.
Gleichzeitig wird KI die Arbeit von Ingenieuren nicht ersetzen. Vielmehr wird sie uns dabei unterstützen, schneller zu den relevanten Informationen zu gelangen und fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Ich glaube, dass Unternehmen künftig vor allem dann erfolgreich sein werden, wenn sie technologische Möglichkeiten mit dem Fachwissen und der Erfahrung ihrer Mitarbeiter verbinden.
Weber: Die größten Potenziale erwarte ich weniger in einzelnen Softwarelösungen als in der Vernetzung von Informationen über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie. Entscheidungen werden künftig deutlich datenbasierter getroffen werden können, von der ersten Standort- und Investitionsentscheidung über Planung und Bau bis hin zu Betrieb und Sanierung.
Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, Risiken, Kosten und Termine deutlich früher sichtbar zu machen. Viele Entscheidungen auf Bauherren- und Unternehmensseite werden heute noch auf Erfahrungswerten getroffen. KI kann dabei helfen, Muster zu erkennen, Szenarien zu simulieren und bessere Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.
Während die Digitalisierung in den vergangenen Jahren vor allem Prozesse beschleunigt hat, wird sie künftig zunehmend die Qualität von Entscheidungen verbessern. Darin sehe ich den eigentlichen Wandel.
Ahmad: Technologien werden immer leistungsfähiger, aber Führung bleibt ein Geschäft zwischen Menschen.
Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, werden aus meiner Sicht auch in Zukunft unverzichtbar sein. Gerade in der Bau- und Ingenieurbranche entstehen erfolgreiche Projekte durch die Zusammenarbeit vieler Beteiligter mit unterschiedlichen Interessen.
Auch Verantwortungsbewusstsein und Urteilsvermögen lassen sich nicht automatisieren. KI kann Informationen liefern und Entscheidungsgrundlagen schaffen. Die Verantwortung für Entscheidungen und deren Konsequenzen wird jedoch weiterhin beim Menschen liegen.
Weber: Je digitaler unsere Welt wird, desto wichtiger werden die Fähigkeiten, die nicht digitalisierbar sind. Die besten Projekte entstehen selten durch perfekte Prozesse, sondern durch Menschen, die unterschiedliche Interessen zusammenbringen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Unverzichtbar bleiben deshalb Neugier, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich zu vermitteln. Gerade an den Schnittstellen zwischen Investoren, Nutzern, Behörden, Planern und ausführenden Unternehmen entscheidet oft die Qualität der Kommunikation über den Projekterfolg.
KI kann Informationen liefern. Es bleibt jedoch Aufgabe des Menschen Vertrauen zu schaffen, andere zu überzeugen und in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube sogar, dass diese Fähigkeiten in Zukunft noch wertvoller werden als heute.
Der berufsbegleitende MBA-Studiengang Unternehmensführung Bau ist seit über 35 Jahren erfolgreich am Markt. Er richtet sich insbesondere an Bauingenieure und Architekten. Studienstart ist einmal jährlich im Januar. Das Studium ist in kompakten Vorlesungsblöcken organisiert. Der Alumniverein, das Akademische Baunetzwerk e.V., bietet zudem weitergehenden Austausch und jährliche Events.
Bei weiteren Fragen zum Studiengang wenden Sie sich gerne an Herrn Meinholz.
Die Akademie der Hochschule Biberach ist auf berufsbegleitende Weiterbildung mit Schwerpunkt Bau und Immobilien spezialisiert. Als enger Partner der Hochschule Biberach verbindet sie wissenschaftliche Qualität mit hohem Praxisbezug. Das Angebot reicht von Tagesseminaren bis hin zu berufsbegleitenden Masterstudiengängen.